Rundschreiben: Haltestelle Lobau – ÖBB-Zerstörungswerk ab Montag
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter!
Die ÖBB setzen ihre Praxis, öffentlichen Verkehr zu reduzieren oder aufzulassen, auch auf der Wiener S-Bahn-Linie S80 konsequent und mit demonstrativer „Härte“ um.
Die ÖBB haben die Haltestelle „Lobau“ Ende 2014 aufgelassen; vorgebliche Gründe waren Kurvenradien, Zuglängen, Barrierefreiheit und so weiter. Es seien auch zu wenige Fahrgäste. Aber: Der Fahrplan wurde über Jahre verschlechtert: Aus einem 20-Minuten- machte man einen 60-Minuten-Takt (mit Lücken bis zu 3 Stunden).
Neueste, auch in einem Mediationsverfahren 2012–2014 niemals geäußerte Begründung der ÖBB: „Lärmschutz“-Maßnahmen. Aber: Der störende Lärm entsteht gar nicht im Bereich der Station, sondern auf der Ostbahn-Brücke, außerdem stehen im Bereich der Station Lobau bereits seit 1996 Lärmschutzwände, welche jetzt um viel Geld abgerissen und neu gebaut werden sollen!
Der sinnlose Abriss beginnt …
Die ÖBB setzen nun ihr Zerstörungswerk fort und beginnen am Montag, 18. April 2016, mit der Abtragung der Haltestelle; gleichzeitig muss der erst 1996 errichtete Damm saniert werden (!) – womöglich wurde beim Neubau dieses Strecken-Abschnittes damals (Hebung der Ostbahn-Brücke wegen Kraftwerk Freudenau) geschlampt.
Die Arbeiten sind vorerst bis 25. Juli 2016 (!) geplant. Während dieser langen Zeit werden auch der Goldnesselweg und der anschließende Fußweg durch die Haltestelle (entlang der Gleisanlage) gesperrt – vielleicht für immer! Bitte längere Fußwege einplanen!
Die Arbeiten finden auch nachts und an den Wochenenden statt. Der Baustellen- bzw. Schwerverkehr wird nicht über die Schiene, sondern durch das Wohngebiet geführt (vor allem Franz-Pletersky-Weg und Krokusweg). Belästigungen durch Lärm, Schmutz und Schadstoffe sind nicht auszuschließen.
Zuschauen erwünscht!
Aber bitte nicht die Arbeitskräfte belästigen oder in Gespräche verwickeln (denen ist das sowieso egal). Bitte auch keinesfalls Baustellen-Inventar oder gar Geräte beschädigen! Auch Boshaftigkeiten, welche die Arbeiten behindern, müssen wir ablehnen.
Wer seine Besorgnis zum Ausdruck bringen will, möge dies bei den verantwortlichen Köpfen tun (Kontaktdaten siehe unten); wer mit diesen Leuten aber nichts zu tun haben will, kann einen Protest auch bei uns zum Ausdruck bringen; wir veröffentlichen dies dann – auf Wunsch selbstverständlich unter Wahrung Ihrer Anonymität – in einem Protest-Werk.
Politik pro Haltestelle, aber Ausführende dagegen?
Die Auflassung erfolgte gegen Beschlüsse der Politik (Gemeinderat) und gegen den erklärten Willen von Bürgermeister Michael Häupl, der sich auf dem Parteitag seiner Wiener SPÖ (gestern, 16. April 2016) über das Zerstörungswerk verwundert zeigte.
Stadträtin Uli Sima appellierte noch im März 2016 an ÖBB-Chef Christian Kern pro Haltestelle. Erfolglos. Als Umwelt-Stadträtin ist sie auch für Lärmschutz zuständig, aber von diesem „Lärmschutz“-Projekt der ÖBB schien sie gar nichts zu wissen. Eine Ungereimtheit mehr.
Eine äußerst undurchsichtige Rolle spielt dabei der Wiener Magistrat (der offensichtlich frei ist, die Vorgaben der Politik zu hintertreiben); vor allem die im Rahmen der Magistratsdirektion auch für Beziehungen zu den ÖBB zuständige Direktion „Bauten und Technik“ (zuständig: Direktorin Brigitte Jilka) fiel durch Aktivitäten gegen uns auf.
Eine fragwürdige Rolle spielt auch Christian Kern, Chef der ÖBB Holding AG. Nach außen smart – und scheinbar mit politischen Ambitionen (z. B. die Frage Kanzlerschaft, aber auch das Millionen-Projekt „Flüchtlingstransit“) – reduziert er sich in Sachen Verkehr auf die leider häufig desaströse Ausrichtung seiner Stäbe, für die er sich praktisch als Sprecher instrumentalisieren lässt. Angesichts seiner jährlichen Gage von deutlich mehr als 500.000 Euro stellt sich die Frage: „Wo ist die Leistung?“
Politik-Unterstützung
Angesichts der aktuellen Entwicklungen gibt es eine Reihe von Solidaritätsbekundungen seitens der Politik. Es kommen nun nach und nach Politikerinnen und Politiker zu Besuch, welche einen Blick auf das Abriss-Werk werfen wollen, um uns anschließend in gemütlicherem Rahmen für Fragen und Antworten zur Verfügung zu stehen.
Ankündigung: Besuch der Abgeordneten Amrita Enzinger
Als erste in der Reihe begrüßen wir Abgeordnete Amrita Enzinger (Grüne, Landtag Niederösterreich); als Verkehrssprecherin ist sie an einer Verbesserung der S80 und Verlängerung nach Niederösterreich interessiert.
Sie kommt am Freitag, dem 22. April 2016, zu uns. Treffpunkt ist 16.30 Uhr beim Bahnübergang bei der Haltestelle; anschließend offene Begegnung im „Gemeinschaftshaus“, Haselnussweg (beim Teich). Es folgt noch eine eigene Einladung per Mail für dieses Ereignis.
Kontakte
Christian Kern, ÖBB
Telefon (01) 93 000 Durchwahl 45000 (pers. Sekretariat)
Brigitte Jilka, Stadt Wien, Magistratsdirektion
Telefon (01) 4000 Durchwahl 82601 (pers. Sekretariat)
Links
Abriss-Information der ÖBB („amtlich“):

Die BI auf Facebook: facebook.com/schnellbahn.lobau
Homepage der BI: www.s80lobau.org